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Monatsbetrachtung Dezember

Der Dezember ist der Monat, an dem bis auf  einige Kontrollgänge, keine Arbeiten an den Völkern mehr gemacht werden müssen. Die Varroa-Winterbehandlungen wurden durchgeführt. Die Völker stehen geschützt an ihren Winterstandorten. Eine alte Bauernregel prophezeit nach einem goldenen Oktober, wie wir ihn ja in diesem Jahr hatten, einen „richtigen“ Winter mit Frost und viel Schnee.  
In der Adventszeit steigt der Verkauf von Honig und Kerzen  hoffentlich noch einmal kräftig an und beschert uns ein zusätzliches kleines Weihnachtsgeld, so dass sich die Mühen des Jahres ein wenig auszahlen werden.
Jetzt ist Zeit für Nachbesinnungen. Was ist gut gelaufen im Jahr, was ist verbesserungswürdig? 
Dazu eine Ergänzung:
In meiner Monatsanweisung für den August, habe ich u. a. gesagt, dass ein Säureeinsatz während der Einfütterungsphase das Futter unbrauchbar macht.
 Die erfahrenen Imker/Innen unter Ihnen haben sicher sofort ihre Zweifel an dieser Aussage gehabt. Ich wollte mit dieser Aussage darauf aufmerksam machen, dass sich der Ameisensäureeinsatz während der Auffütterungsphase aus folgendem Grund verbietet: Das Winterfutter ist nach einer AS- Behandlung nicht unbrauchbar, sondern nur säuerlich, bleibt aber bienenverträglich.
Physikalisch gesehen wird die  Ameisensäure, die stark hygroskopisch ist, durch das Wasser im Futter so stark  verdünnt, dass die abtötende Wirkung der Säure nachlässt. Ihr Wirkungsgrad, ohnehin schon schwierig genug zu analysieren, wird damit noch unkalkulierbarer. Falsche Diagnosen sind häufig die Folge. Sind, auf Grund des geringeren Wirkungsgrades der Säure z. B. weniger Varroen gefallen, führt das zwangsläufig zu einer falschen Beurteilung des tatsächlichen Befallsgrades. Zu viele geschädigte Bienen werden den Winter dann nicht überleben.
 Ausführlich habe ich in der Septemberausgabe in Wort und Bild über unsere Vorgehensweise bei der Reinigung der Beuten und  Gerätschaften, so wie der Wabenlagerung berichtet. Wie wichtig ein sorgfältiges Vorgehen in diesem Bereich ist, möchte ich Ihnen noch einmal an einem Ereignis des vergangenen Sommers schildern.
In unserem Verein wurde ein, von mir initiiertes, AFB- Monitoring durchgeführt. In mehreren Imkereien wurde ein hoher Befallsgrad mit Faulbrutsporen festgestellt. Positiv befundet wurde auch ein Imkerkollege, mit dem ich mehr als 10 Jahren zusammen gearbeitet habe. Wir sind gemeinsam in den Raps und die Heide gewandert, haben die Völker zusammen in einem Fahrzeug transportiert, nebeneinander aufgestellt und bei der Honigernte auch gemeinsam unseren Schleuderraum genutzt. Der bei unserem Bekannten festgestellte Befund wies auf einen längeren, offensichtlich mehrjährigen, bis dahin unentdeckten (!?), hochinfektiösen AFB- Befall hin. Die Untersuchung unserer Völker ergab dagegen einen Null-Befund in der Futterkranzprobe. Natürlich sind wir sehr erleichtert, dass die Geschichte, zumindest für unsere Völker, trotz der räumlichen Nähe der Imkereien, so positiv ausgegangen ist. Wir denken, dass unsere konsequente Vorgehensweise bei der Reinigung der Gerätschaften und Beuten und das Arbeiten mit gesunden Völkern, die auch in der Lage sind, ihr Flugloch gut zu bewachen und verteidigen, wesentlich dazu bei getragen hat.

 

Ein offenes Wort zum Schluss.

 

Die schönste Nebensache der Welt ist für viele Menschen ihr Hobby. Diese „Binsenweisheit“ trifft im besonderen Maße auf Imker/Innen zu. Wer sich einmal auf den Bien eingelassen hat, erkennt schnell, dass der artgerechte Umgang mit diesem Wesen nur dem gelingt, der sich intensiv mit der Biologie der Biene und ihrer Vernetzung in die Umwelt auseinandersetzt.
Jedes Bienenjahr verläuft anders als das vorherige und immer ist der Imker gefordert, die unterschiedlichsten Faktoren in ihrer Wirkung auf den Bien richtig zu deuten, dem entsprechend zu planen und zu  handeln. Imkern ist viel mehr als ein „altmodisches“, von Romantik verklärtes Hobby, dem nur Schwärmer und ideologisch verbrämte Idealisten nachgehen. Wer in der heutigen Zeit erfolgreich imkern will, ist gezwungen sich ständig weiterzubilden. Neue Erkenntnisse aus der Forschung, neue Bienenkrankheiten, neue Medikamente zu ihrer Bekämpfung, neue „Pflanzenschutzmittel“, neue Verkaufs- und Hygienevorschriften, ja sogar neu kreierte, genveränderte Pflanzen und ein „neues“ Wetter fordern die Entwicklung neuer Vorgehensweisen.
Als meine Frau und ich vor jetzt fast 35 Jahren zu imkern begannen, war Varroose noch kein Thema, wurde der Honig noch nicht fein gefiltert, gab es noch keine Lebensmittelhygieneverordnung aber auch keine Ängste in Bezug auf die Auswirkungen von genverändertem Pollen auf das Produkt Honig. Pflanzenschutzmittel waren nicht als bienenverträglich deklariert, was, mit etwas Zynismus gewürzt, den Vorteil hatte, dass z. B. mit E 605 vergiftete Bienen gleich als Toten- Fall auf dem Acker blieben, während sie heutzutage, nach Kontakt mit den „bienenverträglichen Pflanzenschutzmitteln,“ noch die Chance haben, das Gift in den Stock zu tragen, bevor sie verenden. Damals wurde Unkraut an Wegrainen tot gespritzt, heute werden Wildkräuter an Feldwegen neu ausgebracht und geschützt, Streuobstwiesen angelegt, Wildhecken als Ausgleichsfläche für versiegelte Böden gepflanzt und Grünbrachen mit bienenfreundlichen Pflanzen angesät.

An diesen wenigen Beispielen ist abzulesen, wie sehr die Dinge im Fluss sind, einmal zum Nachteil, dann aber auch wieder zum Vorteil, in ihren Auswirkungen auf die Bienen und letztlich damit auch auf die Menschen, die Bienenprodukte konsumieren. Hier liegt eine ganz besondere Verantwortung auf dem Imker, denn er „erntet“ nicht nur einfach irgendein Lebensmittel, sondern ein Naturprodukt, das seit Menschengedenken auch als Heilmittel Anwendung findet. Scharfe Hygienevorschriften sind da natürlich einzufordern und auch zu kontrollieren. Aber es darf nicht passieren, dass, nach dem Motto „Außen hui, Innen pfui“ immer mehr bürokratischer Aufwand getrieben wird, um das Produkt zu deklarieren, während  gleichzeitig die wirklich brennenden Fragen unter dem Deckel gehalten werden, nach dem Motto: „Nur nicht ansprechen, das könnte Unruhe bringen und den Verbraucher verunsichern.“
Hier ist, unseres Erachtens, eine Schieflage entstanden, Während auf der einen Seite immer mehr Aufwand getrieben wird das Honigglas mit Stempeln über Gebinde, Sorte, Haltbarkeitsdatum, Erzeugerdaten und Kontrollnummern zu überziehen, wird auf der anderen Seite viel zu wenig getan um den Inhalt des Glases, den Honig, vor schädlichen Einträgen zu schützen. Erschreckend, dass viele offizielle Vertreter der Imkerschaft bei den wirklich brennenden Themen abtauchen und das Bild der bekannten drei Affen heraufbeschwören. Nicht hören, dass einige Großimker laut fordern, evtl. die Faulbrut mit Antibiotika zu behandeln. Nicht sehen, dass die Landschaft, durch den Intensivanbau von Monokulturen zur Gewinnung von Biomasse zu einer lebensfeindlichen  Umgebung für Bienen mutiert. Nicht sprechen, über den Anbau  genveränderter Pflanzen und  sei es nur auf Versuchsfeldern. Gerade bei diesen hochsensiblen Problemlagen ist es wichtig, dass die vielen Hobbyimker sich als eine Solidargemeinschaft verstehen, in der das gemeinsame Ziel verfolgt wird, die bestmöglichen Umweltbedingungen für die Bienen zu erhalten und möglichst naturreine Bienenprodukte zu „ernten.“

 

 

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Letzte Änderung Sonntag, 13 Januar, 2013 21:48