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Der Jahresrhytmus unserer Honigbiene

 

Welcher Imker kennt das nicht, sowie die Sonne wieder etwas höher steigt, sich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen über die erwachende Natur ergießen, beäugt der Imker kritisch und voller Erwartung die Bienenkästen. Immer mit den gleichen Fragen, wann wird es soweit sein, wann zeigen sich die ersten Bienen des Jahres, an welchem Tag ist der Reinigungsflug zu verzeichnen und wie viele der Lieblinge haben den Winter gut überstanden.
Nunmehr scheint das Bienenjahr seinen Anfang zu nehmen, obwohl in unseren Norddeutschen Breiten eigentlich häufig schon im Januar/ Februar mit dem Brutbeginn zu rechnen ist, selbstredend nur zaghaft, aber trotzdem am Futterverzehr merkbar.
Jetzt nun im März geht es fühlbar rasch aufwärts, und die Waage abwärts. Eine kritische Zeit, in der gerade starke Völker Gefahr laufen, noch in eine Hungersnot zu geraten. Obwohl in der Natur schon einige Frühjahrsblüher am Werke sind, so gereicht es den Bienen oftmals nicht und so ist der Imker gefragt. Geiz im Herbst beim Füttern, rächt sich nun bitterlich.
Im April strebt das Bienenvolk rasch und stetig auf seinen Höhepunkt zu. Erste Drohnenbrut wird angelegt, um bald befruchtungsfähige Drohnen vorrätig zu haben, das Brutnest wächst und die Bienenmasse steigt konsequent an. Nur wenige Wochen später, schon im Mai entschließt sich das Volk, erste Weiselzellen anzulegen. Die Schwarmstimmung setzt ein.
Hat die Königin einige Zellen bestiftet und wird die Gnädigste von ihren Bienen auf Diät gesetzt. Die Legetätigkeit verringert sich, die Königin wird flugfähig gehungert und wenig später hängt der erste Schwarm im Baum. Die natürliche Vermehrung unserer Honigbiene ist ein imposantes Schauspiel und die bienengerechte Vermehrungform schlechthin. Hat man jedoch mal einen Schwarm aus 5 Metern Höhe holen wollen und dabei Leib und Leben riskiert, fragt man sich, ob diese Vermehrungsform denn so imkergerecht sei. Dies muss jeder Imker mit seiner Betriebsweise für sich selbst beantworten.
Das Bienenjahr, jetzt im Mai/Juni, befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt. Die Beuten sind prallgefüllt mit Arbeitsbienen, die Honigräume versprechen gute Ernte oder sind nun teilweise schon mehrfach abgeerntet. Große Völker können zu einer Volksstärke mit bis zu 60000 Tieren anwachsen.
Schon der Juli bringt eine Abwärtsbewegung der Entwicklung mit sich, die Königin legt weniger Eier, das Brutnest verkleinert sich, auch die Trachtsituation hier im Norden wird schlechter. Die Völker werden schlussendlich abgeerntet und die ersten Varroabehandlungen durchgeführt. Der August bietet nochmal ein besonders Schauspiel, die Arbeiterinnen vertreiben die Drohnen zum Flugloch hinaus. Dorthin verbannt, verhungern sie alsbald, da sie nicht in der Lage sind sich selbständig zu verköstigen. Der Imker beginnt langsam mit der Fütterung, weitere Varroabehandlungen regulieren die Milbenpopulation.  Vier Wochen später, im September kehrt langsam Ruhe ein, die letzten Eier des Jahres werden gelegt und gepflegt, bei schönem Wetter fliegen sie noch rege.
Der Imker sollte jetzt seine Arbeiten am Bienenvolk beenden. Die letzte Brut  schlüpft. Bei kühler Witterung und in der Nacht sammeln sich die Bienen nunmehr schon zusammen, bis sie sich bei den ersten Frösten im Oktober/ November zur Winterkugel  zusammenschließen.

So verharren sie, zehren von den Vorräten und erwachen hoffentlich im nächsten Frühjahr als gesundes Volk zu neuem Leben.

 

Letzte Änderung Sonntag, 13 Januar, 2013 21:52